Die Geschichte der Slowakei reicht über viele Jahrtausende zurück und ist eng mit der Entwicklung Mitteleuropas verbunden. Unterschiedliche Völker, Reiche und politische Systeme haben das Land geprägt.
Der folgende Überblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er soll die wichtigsten Etappen der slowakischen Geschichte einfach und verständlich zusammenfassen und einen ersten historischen Hintergrund für eine Reise durch das Land geben.
Frühe Besiedlung
Das Gebiet der heutigen Slowakei war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Archäologische Funde belegen menschliches Leben über viele Zehntausende von Jahren. Zu den bekanntesten Funden gehören Spuren eines Neandertalers bei Gánovce sowie die aus Mammutelfenbein gefertigte „Venus von Moravany“.
In späteren Jahrhunderten lebten unter anderem Kelten auf dem Gebiet der heutigen Slowakei. Auch das Römische Reich hinterließ besonders im Südwesten des Landes seine Spuren. Ab dem 5. und 6. Jahrhundert ließen sich zunehmend slawische Bevölkerungsgruppen nieder.
Großmähren und die Christianisierung
Im 7. Jahrhundert entstand mit dem Reich des Samo eines der ersten bekannten politischen Gebilde der westlichen Slawen.
Besonders bedeutend für die slowakische Geschichte war das Großmährische Reich im 9. Jahrhundert. Im Jahr 863 kamen die byzantinischen Missionare Kyrill und Method nach Großmähren. Sie verbreiteten das Christentum in slawischer Sprache und schufen wichtige Grundlagen für die slawische Schrift- und Kulturtradition.
Nach dem Zerfall Großmährens wurde das Gebiet der heutigen Slowakei schrittweise Teil des Königreichs Ungarn.
Jahrhunderte im Königreich Ungarn
Über viele Jahrhunderte gehörte die heutige Slowakei zum ungarischen Königreich. Städte entwickelten sich, Bergbau und Handel gewannen an Bedeutung und vor allem im Mittelalter kamen zahlreiche deutsche Siedler in das Land.
Ihre Spuren sind bis heute beispielsweise in der Zips, im Hauerland sowie in alten Bergbaustädten wie Banská Štiavnica oder Kremnica sichtbar.
Nach der Niederlage Ungarns gegen das Osmanische Reich im Jahr 1526 gerieten große Teile des Königreichs unter die Herrschaft der Habsburger. Bratislava – damals Pressburg – wurde zeitweise zur Hauptstadt des Königreichs Ungarn und war über Jahrhunderte eine bedeutende Krönungsstadt.
Die slowakische Nationalbewegung
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich zunehmend ein eigenes slowakisches Nationalbewusstsein. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Kodifizierung der modernen slowakischen Schriftsprache durch Ľudovít Štúr und seine Mitstreiter im Jahr 1843.
Nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867 verstärkte sich der politische und sprachliche Druck auf die slowakische Bevölkerung. Viele Slowaken wanderten in dieser Zeit auch nach Westeuropa und Nordamerika aus.
Die Tschechoslowakei
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entstand 1918 die Tschechoslowakei als gemeinsamer Staat von Tschechen und Slowaken.
Diese Entwicklung bedeutete einen wichtigen politischen Neubeginn, wurde jedoch 1938 und 1939 durch die zunehmende Expansion des nationalsozialistischen Deutschlands beendet.
Am 14. März 1939 entstand ein formal unabhängiger Slowakischer Staat, der politisch eng an das nationalsozialistische Deutschland gebunden war. Diese Zeit gehört zu den schwierigsten Kapiteln der slowakischen Geschichte.
Ein bedeutendes Ereignis des Widerstands war der Slowakische Nationalaufstand, der am 29. August 1944 begann und dessen Zentrum in der Mittelslowakei lag.
Kommunismus und Prager Frühling
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakei wiederhergestellt. 1948 übernahmen die Kommunisten die Macht, und das Land wurde Teil des von der Sowjetunion dominierten Ostblocks.
1968 versuchte die Reformbewegung des Prager Frühlings, einen liberaleren Sozialismus zu schaffen. Die Reformen wurden jedoch im August desselben Jahres durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes beendet.
Ab 1969 bestand die Tschechoslowakei formal aus einer tschechischen und einer slowakischen Teilrepublik.
Von der Samtenen Revolution zur unabhängigen Slowakei
In den 1980er-Jahren wuchs der Widerstand gegen das kommunistische Regime. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die Kerzendemonstration von Bratislava im März 1988.
Mit der Samtenen Revolution im November 1989 endete die kommunistische Herrschaft weitgehend friedlich. Bereits 1990 fanden wieder freie Wahlen statt.
Nach politischen Verhandlungen trennten sich Tschechien und die Slowakei schließlich ohne Gewalt. Am 1. Januar 1993 entstand die unabhängige Slowakische Republik.
Die Slowakei heute
Seit ihrer Unabhängigkeit hat sich die Slowakei fest in die europäischen und transatlantischen Strukturen integriert.
Im Jahr 2004 trat das Land sowohl der NATO als auch der Europäischen Union bei. Seit 2007 gehört die Slowakei zum Schengen-Raum und seit 2009 ist der Euro die offizielle Währung.
Wer heute durch die Slowakei reist, begegnet dieser wechselvollen Geschichte vielerorts unmittelbar: in mittelalterlichen Städten, Burgen, Bergbauregionen, Holzkirchen, Denkmälern und in den kulturellen Unterschieden der einzelnen Landesteile.
